Mit Flo durch den Englischen Garten in München zu laufen zeigt seine Dankbarkeit für die kleinen Dinge. Er grinst durch die Gegend, freut sich an der Schönheit der Natur und man sieht ihm förmlich an, wie er sich in die Stadt verliebt hat. Nun studiert er in Boston im 7. Semester Internationales Management. Er ist fleißig, setzt die Dinge um, die er sich vornimmt und auf ihn ist Verlass. Er ist die Ruhe in Person, ein herzlicher Mensch, den man gerne in seiner Nähe hat. Er schreibt, wie er und seine Gedanken sich über den Lauf der Zeit veränderten und wie dies mit seinem persönlichen Glück zusammenhängt. Viel Spaß beim Lesen dieser schönen und zum Nachdenken anregenden Geschichte.  – JH
Walking with Flo through the Englischer Garten in Munich shows his gratefulness for the small things. He smiles all the time, is happy about the beauty of the nature and you can see, how he fell in love with the city. Now, he studies International Management in Boston in his 7th semester. He is hardworking, he is a person, who can get things done and you can rely on him. He is a calm person, a heartfelt human, who you like to have around. He writes how his thoughts have changed over time and this relates to his personal happiness. Enjoy reading this beautiful and thought-provoking story.  – JH

„Kümmert dich eigentlich irgendwas?“

Ich überlegte. Rückblickend hat mich früher jeder und alles immer und überall gekümmert – manchmal vielleicht auch ein bisschen zu viel und ich mir zu wenig. Alles, was ich mehr oder weniger wollte, war mir die Zuneigung anderer zu erarbeiten, mich liebenswürdig machen. Ein Plan, der von Anfang zum Scheitern verurteilt war, was ich aber zum damaligen Zeitpunkt nicht verstehen konnte oder wollte.

Im Lauf der Zeit bin ich schrittweise dazu übergegangen, mich nicht mehr um gewisse Dinge zu kümmern und insbesondere nicht darum, was die Mehrzahl von Menschen über mich denkt. Wenn mittlerweile jemand mit mir und meiner Art nicht zurechtkommt, ist das alles andere als ein Grund mehr für mich, mich selbst in Frage zu stellen. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich den Erwartungen anderer nicht gerecht werden kann und dafür auch keine Notwendigkeit besteht. Denn ein für andere gelebtes Leben ist kein Leben, mit dem ich mich anfreunden kann.

„Do you care about anything?“

I started thinking. In hindsight, I used to care about everything and anything always and ever – at times perhaps a little too much and a little too less about myself. All I wanted was more or less to kiss up to others’ affection, make myself likable. A plan doomed to failure which I was unable to understand at the time.

Over time, I have gradually decided to no longer care about certain things and in particular to no longer bother about what the majority of people think about who I am and who I am not. In case someone does not come along with my way of being, I do not consider this to be a reason to question myself anymore. I came to realize that I cannot live up to other people’s expectations and have learnt that there is no necessity to do so, either. A life in pursuit of others’ ideals and values is not quite worth living to me.

Nichtsdestotrotz würde ich nicht sagen, dass ich sorglos bin. Alles, was ich mache, ist mich von einigen Sorgen zu lösen. Dem Irrelevanten, Überflüssigen und Verstellten schenke ich heute weniger bis keine Bedeutung und zugleich kümmere mich wesentlich mehr um das, was zählt. Das, was ich irgendwo brauche und möchte, sowohl was mein Umfeld betrifft als auch mich selbst. Ich weiß nicht, ob das selbstsüchtig oder selbstwürdigend ist. So oder so ist das eine entscheidende Komponente meines persönlichen Glücks, das ich meist nur mit wenigen und nicht vielen teilen kann und möchte.

Zudem bin ich mir nicht sicher, ob Glück ein Geisteszustand ist. Mir scheint, dass die Einstellung zum Leben mit Sicherheit wichtig ist, aber für gewöhnlich kann ich mich nicht selbst davon überzeugen, glücklich zu sein. Vielmehr muss ich raus in die Welt gehen und dabei findet mich das Glück meistens dort, wo und wenn ich es am wenigsten erwarte. Und dabei sind es in der Regel die kleinen, für andere vielleicht unbedeutend erscheinenden Dinge, die mich glücklich machen: Ein Vogelschwarm, der im Licht der Morgendämmerung über mich hinwegzieht, in einen völlig Fremden zweimal am selben Tag laufen, spontane Spinnerei, gemeinsam mit Freunden bis in die späten Abendstunden kochen, reden und rumquatschen, ein Mitternachtsspaziergang in einer sternenklaren Nacht.

Nonetheless, I would not say that I am careless, all I do is to care less. I deem little to no importance to the irrelevant, redundant and dissembled and at the same time care much more about what counts. What I at some point need and want for myself and the environment around me. I don’t know if this is selfish or self-appreciative. Yet, it is a key component of my personal happiness which I only can and want to share with few and not many.

Personally, I am also not sure if happiness is a state of mind. It appears to me that your attitude towards life surely is important, but I usually cannot talk myself into being happy. Much rather, I have to go out into the world and in doing so happiness tends to find me where and when I would expect it least. And often times little, seemingly insignificant things make me very happy: It is a flock of birds flying high above in the light of dawn, walking into a stranger twice on the same day, spontaneous stupidity, late night talks, cooking and gibbering with friends, a midnight stroll in a starlit night.

Was ich mir zu Herzen nehme, ist, dass man Glück für gewöhnlich nicht in den bereits vorhandenen Spuren anderer findet, sondern auf sich und seine Bedürfnisse hören muss und dann möglicherweise Schritte in eine Richtung setzen muss, die ins Ungewisse führt. Man muss sich manchmal nur auf den Lauf des Lebens und aufkommende Gelegenheiten einlassen und wird mit völlig neuen Erfahrungen belohnt – und aus meiner Erfahrung wird Glück dabei immer wieder als Begleiter auf dem Weg auftauchen.

Ich würde das alles nicht zwingend als Glücksrezept bezeichnen, zugleich glaube ich aber auch nicht an den einen Weg zum Glück. Wir sind viel zu verschieden, empfinden zu unterschiedlich, lassen uns durch andere Dinge bewegen und mitnehmen. Glück ist für mich letzten Endes vor allem, mit sich im Reinen zu sein, sich selbst wohl in seiner Haut zu fühlen und diese Haltung nach außen zu tragen, um andere Leute im Sinne von Second-Hand-Happiness auch am eigenen Glück teilhaben zu lassen. Um dorthin zu kommen, muss man sich seinen individuellen Umständen nach selbst einen Weg schaffen, der mitunter steinig ist und Umwege enthalten kann, sich am Ende des Tages aber immer auszahlt.

What I take to heart is that happiness is usually not to be found on the beaten path. From time to time, you have to be open to the journey and opportunities life comes up with for you despite daunting uncertainty. Preciously unexpected experiences are the merit – and from what I have come to see, happiness will be a companion along the way who will appear every now and then.

I would not really consider all of this to be a guide to happiness, but I also do not believe in the one single way to achieve happiness. None of us is quite the same, we feel too differently and are moved for numerous unlike reasons. Eventually, happiness to me is to have things straightened out with yourself, to feel comfortable in your own skin and convey this morale to the world around you in order to let others share in your own happiness (go second-hand happiness!). To get there each and every one has to pave their own way that might be rocky and devious here and there, but always pays off at the end of the day.